Papierschnipsel-Erklärvideos: eine BYOD-Methode

Schüler Erklärvideos erstellen zu lassen, eignet sich hervorragend zur Konsolidierung von erworbenem Wissen. Ich halte dies oft für nachhaltiger als etwa die Erstellung von Plakaten oder Kurzreferaten. Am einfachsten lässt sich ein solches Video mit der Papierschnipselmethode herstellen.

Dafür arbeiten die Schüler in kleinen Gruppen. Sie schreiben zunächst ein Skript und beschreiben/bemalen dann Papierschnipsel zur Visualisierung. Dann nehmen sie ihr Video mit einem Smartphone oder iPad auf: sie sprechen ihr Skript ins Mirkofon und bewegen die Papierschipsel analog auf dem Tisch.

In einem zweiten Schritt geben sich die Schüler gegenseitig Feedback zu ihren Ergebnissen, vergleichen und diskutieren Widersprüche und offene Fragen mit der Lehrperson.

Das erforderte technische Niveau ist recht niedrig. Die Methode eignet sich daher auch für Klassen und Lehrpersonen, die bisher wenig digital gearbeitet haben.

Die folgenden Beispiele stammen aus dem Ethikunterricht. Die Schüler mussten sich anhand eines Textes des Philosophen Thomas Nagel erarbeiten, was wir unter dem Begriff der Willensfreiheit im Alltag verstehen, diesen Begriff dann in einem Erklärvideo definieren und anhand passender Beispiele erläutern.

Die Schüler haben äußerst unterschiedliche Herangehensweisen an das Medium gewählt. Auch die Qualität der Inhalte und der technischen Umsetzung variiert.

Die Einsatzmöglichkeiten solcher mit einfachsten Mitteln erstellbarer Videos sind fächerübergreifend: ob zur Förderung der Mündlichkeit im Fremdsprachenunterricht oder zur Veranschaulichung von Abläufen in den Naturwissenschaften.

[DEUTSCH] Die Dreieinhalbschrittmethode für Interpretationsaufsätze

So leicht es Schülerinnen anfänglich schon gelingt, sich an einem Unterrichtsgespräch zu einem literarischen Werk zu beteiligen, so schwer fällt es ihnen, ihre Beobachtungen und Interpretationen selbst schriftlich zu fixieren. Wenn ich zum ersten Mal Interpretationsaufsätze anfertigen lasse, gehe ich daher recht kleinschrittig vor, indem ich die Klasse zunächst einzelne Beobachtungen nach einer Dreischrittmethode ausformulieren und dann die einzelnen Dreischritte inhaltlich verbinden lasse. Dieses Vorgehen hat sich für mich bewährt, da es sich für alle Arten von Interpretationsaufsätzen eignet.

Wie üblich wird zunächst eine Deutungshypothese über die gesamte Textstelle aufgestellt. Bei der Abituraufgabe sollte man vor allem den zu vergleichenden Aspekt von Aufgabe 2 im Blick haben.
Die Textstelle wird nun in chronologischer Reihenfolge interpretiert. Die einzelnen Erkenntnisse müssen dabei inhaltlich miteinander verbunden werden.

Vorgehen
Kern der Methode ist ein sich wiederholender Dreischritt:

  • These zur Bedeutung eines Textteils
  • Textbeleg (Paraphrase / Zitat)
  • Erläuterung des Textbelegs und seiner Funktion

-inhaltliche Brücke-

  • These
  • Textbeleg
  • Erläuterung

-inhaltliche Brücke-   

  • (usw.)

Nicht zu unterschätzen ist dabei die Wichtigkeit des “halben Schrittes”, der inhaltlichen Brücke. Sie stellt die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Erkenntnissen/Ergebnissen her. Es geht nicht darum, eine Nacherzählung anzufertigen – vielmehr müssen dem Leser inhaltliche Brücken von einem bedeutenden Textabschnitt zum nächsten gebaut werden. Hier geht man am besten von einem Leser aus, der, abgesehen von einer kurzen Zusammenfassung, die zu interpretierende Textstelle nicht kennt.

Im Foto findet ihr ein Beispiel für einen sich so wiederholenden Dreischritt:

agnes

Hier findest du einen Beispielaufsatz einer Schülerin, die mit der Dreieinhalbschrittmethode gearbeitet hat. Ihr Thema war eine Textstelle aus dem Roman “Agnes” von Peter Stamm.

NB: Viele Lehrpersonen und Lehrwerke empfehlen ein aspektorientiertes Vorgehen statt eines chronologischen/linearen. Ich verstehe die Vorzüge eines solchen Vorgehens, empfehle dies aber höchstens als Erweiterung oder Differenzierung, nachdem die Schülerinnen die oben erläuterte Methode sicher beherrschen. Nach meiner Erfahrung leidet bei aspektorientierten Aufsätzen meist die Verständlichkeit; schwächere Schülerinnen sind dabei oft überfordert.