[DEUTSCH] Die Dreieinhalbschrittmethode für Interpretationsaufsätze

So leicht es Schülerinnen anfänglich schon gelingt, sich an einem Unterrichtsgespräch zu einem literarischen Werk zu beteiligen, so schwer fällt es ihnen, ihre Beobachtungen und Interpretationen selbst schriftlich zu fixieren. Wenn ich zum ersten Mal Interpretationsaufsätze anfertigen lasse, gehe ich daher recht kleinschrittig vor, indem ich die Klasse zunächst einzelne Beobachtungen nach einer Dreischrittmethode ausformulieren und dann die einzelnen Dreischritte inhaltlich verbinden lasse. Dieses Vorgehen hat sich für mich bewährt, da es sich für alle Arten von Interpretationsaufsätzen eignet.

Wie üblich wird zunächst eine Deutungshypothese über die gesamte Textstelle aufgestellt. Bei der Abituraufgabe sollte man vor allem den zu vergleichenden Aspekt von Aufgabe 2 im Blick haben.
Die Textstelle wird nun in chronologischer Reihenfolge interpretiert. Die einzelnen Erkenntnisse müssen dabei inhaltlich miteinander verbunden werden.

Vorgehen
Kern der Methode ist ein sich wiederholender Dreischritt:

  • These zur Bedeutung eines Textteils
  • Textbeleg (Paraphrase / Zitat)
  • Erläuterung des Textbelegs und seiner Funktion

-inhaltliche Brücke-

  • These
  • Textbeleg
  • Erläuterung

-inhaltliche Brücke-   

  • (usw.)

Nicht zu unterschätzen ist dabei die Wichtigkeit des “halben Schrittes”, der inhaltlichen Brücke. Sie stellt die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Erkenntnissen/Ergebnissen her. Es geht nicht darum, eine Nacherzählung anzufertigen – vielmehr müssen dem Leser inhaltliche Brücken von einem bedeutenden Textabschnitt zum nächsten gebaut werden. Hier geht man am besten von einem Leser aus, der, abgesehen von einer kurzen Zusammenfassung, die zu interpretierende Textstelle nicht kennt.

Im Foto findet ihr ein Beispiel für einen sich so wiederholenden Dreischritt:

agnes

Hier findest du einen Beispielaufsatz einer Schülerin, die mit der Dreieinhalbschrittmethode gearbeitet hat. Ihr Thema war eine Textstelle aus dem Roman “Agnes” von Peter Stamm.

NB: Viele Lehrpersonen und Lehrwerke empfehlen ein aspektorientiertes Vorgehen statt eines chronologischen/linearen. Ich verstehe die Vorzüge eines solchen Vorgehens, empfehle dies aber höchstens als Erweiterung oder Differenzierung, nachdem die Schülerinnen die oben erläuterte Methode sicher beherrschen. Nach meiner Erfahrung leidet bei aspektorientierten Aufsätzen meist die Verständlichkeit; schwächere Schülerinnen sind dabei oft überfordert.

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